Lass nicht den Hass das Netz dominieren!

Fluechtlinge

Was hat die Asyldebatte auf einem Blog über Persönlichkeitsentwicklung zu suchen? Muss sich denn jetzt wirklich jeder zu den Flüchtlingen äußern? Ich finde: Ja! Jeder, der über einen Kanal verfügt, einen Blog, eine Website, ein Social Media Profil, sollte sich dazu äußern. Der richtige Moment, um den Mund aufzumachen, ist jetzt!

Das Flüchtlingsthema treibt mich derzeit um wie kein anderes. Was sich gerade in Deutschland abspielt, macht mich traurig und fassungslos. Die hasserfüllten Parolen im Netz und auf der Straße, die Videos von Demonstrationen, die Bilder von brennenden Gebäuden, die für Flüchtlinge bestimmt waren.

Was ist da los? Was geht in Menschen vor, die so wenig Empathie, so wenig Mitgefühl, so wenig Offenherzigkeit zeigen im Angesicht von Mitmenschen, die viel durchgemacht haben, in der Hoffnung auf ein besseres Leben?

Ich schäme mich für unsere Gesellschaft und unser Land, wenn ich sehe, welcher Hass den Menschen entgegenschlägt, die hier Zuflucht suchen.

Ein Video aus Heidenau zeigt, wie die Demonstration gegen eine Flüchtlingsunterkunft in Gewalt ausartete. Doch diese Bilder kennt man ja: Ein paar Bekloppte, die sich betrinken, Streit mit der Polizei suchen – so enden leider viele Demonstrationen. Das erschreckt mich weit weniger als die Bilder einige Stunden zuvor: Da laufen neben NPD-Anhängern und Skinheads die berühmten „besorgten Bürger“, viele ältere Leute, auch Familien mit Kindern.

Das gibt mir das Gefühl, dass es nicht um einen verschwindend geringen Teil unserer Bevölkerung geht. Nicht nur um ein paar Verwirrte, Zurückgelassene, die ihre Wut auf die Gesellschaft und ihren Frust an Schwächeren auslassen.

Liest man in den sozialen Medien ein bisschen in den Kommentaren unter Beiträgen zur Asyldebatte, verstärkt sich dieser Eindruck: Quer durch die Gesellschaft äußern hier Menschen ihre Sorgen im Zuge der steigenden Flüchtlingszahlen – manche mit Argumenten, die meisten mit platter Hetze und kaltem Herzen.

Besonders ekelhaft ist dabei der Ton vieler Kommentare, die teils menschenverachtende Haltung. Nur fünf Minuten habe ich mir genommen, um die folgenden Passagen auf Facebook zu kopieren:

„scheinflüchtlinge und kriminelle asylanten raus aus deutschland ….und die die das möglich machen gleich mit raus!!! ab nach ogubambu mit euch“

„Es sind noch viel zu wenige die sich gegen diese Asylanten zur Wehr setzen!!!“

„Grenzen Zu und alle Sozialschmarotzer raus ! Es ist kein Wunder das das Volk sich zu wehr setzt. Die Lügenpresse schreibt Deutsche Schande Brauner Mob in Heidenau , ich möchte wetten das Das die bezahlte Antifa von Merkel ist. um es den Rechten in die Schuhe zu Schieben“

„Assoziales pack!direkt wieder dahin wo sie her kommen! Mir sowas müssen unsere kinder leben ppfff“

„Raus mit diesem Wirtschaftsflüchtlingsgesochse!!!!!!! […] Sollen doch die Brüder im Geiste diese Scharen von Bombenlegern aufnehmen!!!!!!! Da sind die wenigstens unter deren Gleichen.“

Kein Scherz, fünf Minuten! Schaut man länger, tauchen immer schlimmere Beleidigungen und Entgleisungen auf. Was dabei einfach nicht in meinen Kopf will: Warum wird auf den Flüchtlingen, auf den Menschen herumgehackt? Was können sie dafür, dass ihr Leben nicht so komfortabel verlaufen ist wie das Leben der allermeisten Deutschen?

Und vor allem: Wer will es ihnen ernsthaft verübeln, dass sie nach einer Verbesserung der Lebensbedingungen für sich und ihre Familien streben? Da finde ich die Parallele zu den Fluchtbewegungen aus der DDR nach Westdeutschland sehr naheliegend und frage mich, ob viele Menschen das einfach vergessen und verdrängt haben.

Anfang der 90er gab es das schon mal, diesen Hass auf Asylbewerber. Ich selbst war noch zu jung, um mich gut daran erinnern zu können. Dieses Video der Panorama-Redaktion stellt die Situation von damals und heute gegenüber – und die Äußerungen darin machen mir Angst.

Angst vor dem, was in nächster Zeit passieren, wie die Situation weiter eskalieren könnte.

An vielen Stellen wird eine differenziertere Kritik an den Asylgegnern gefordert. Man dürfe nicht bei jeder Kritik im Rahmen der Flüchtlingsdebatte direkt mit der „Nazi-Keule“ schwingen. Nicht jeder, der sich gegen den Bau einer weiteren Flüchtlingsunterkunft ausspricht, gehöre gleich in die rechte Ecke gestellt.

Und ja, natürlich gibt es einige berechtigte Kritikpunkte – aber doch eher an uns selbst und unseren Regierenden. Denn mit Ruhm haben wir uns in unserer Asylpolitik sicher nicht immer bekleckert. Und es ist sehr wohl problematisch, wenn immer mehr Menschen hier Asyl beantragen – von den vielen, deren Anträge abgelehnt werden, aber gerade mal 15 Prozent das Land auch wirklich verlassen.

Hier sehe ich aber das große Problem: Derzeit vermischt sich die sachliche, berechtigte politische Diskussion über die wachsende Herausforderung durch die stark zunehmende Zahl der Flüchtlinge immer mehr mit der polemischen, unwissenden Hetze gegen die Menschen selbst.

Und an dem Punkt muss Schluss sein! Wenn eine Diskussion mit Argumenten und verschiedenen Sichtweisen umschlägt in Hassparolen, blanken Rassismus und Gewaltbereitschaft, dann müssen wir eine Linie ziehen und sagen: „Bis hierhin und nicht weiter!“

An dieser Stelle braucht nicht mehr diskutiert und nicht mehr differenziert werden. Da muss man kein Verständnis mehr für die Sorgen der Leute zeigen. Ich will ihnen nicht zuhören und ich will nicht ihre hasserfüllten Banner und Plakate lesen.

In meinen Augen helfen da nur drei Dinge:

Durchgreifen und bestrafen

Gegen diejenigen, die sich strafbar machen, muss durch Polizei und Gerichte mit allen Mitteln und Möglichkeiten hart durchgegriffen werden. Das gilt nicht nur bei gewaltsamen Übergriffen auf Asylbewerber und Anschlägen auf die Einrichtungen – sondern auch bei Kommentaren im Netz, die einen Straftatbestand erfüllen.

Es steht die Entscheidung an, ob wir diese neue Bewegung von rechts, die mit Pegida ihren Anfang genommen hat, tolerieren und kleinreden oder ob wir wirksam dagegen vorgehen.

Johnny Haeusler schreibt dazu bei Spreeblick:

„Der Staat, die Regierung muss diese Entscheidung treffen und handeln, nicht zuletzt auch, um Zusammenhalt, Solidarität und Zivilcourage in der Bevölkerung zu unterstützen und zu fördern. Wer fragt sich in diesen Tagen nicht, ab welchem Zeitpunkt er sich eigentlich ebenfalls mitschuldig macht? Ab wann müssen wir uns von unseren Kindern und Enkelkindern fragen lassen, warum wir weggeschaut und nichts unternommen haben?“

Aufklären und überzeugen

Bei denjenigen, die zwar nicht „selbst Hand anlegen“, aber mit ihrer Haltung, ihrer Hetze, ihrer Teilnahme an Demonstrationen den breiten Unterbau für Gewalt bieten, hilft nur Aufklärung. Politik, Medien, Lehrer, Prominente – einfach jeder, der ein Publikum hat, muss den Mund aufmachen und den Menschen aufzeigen, warum sie sachlich falsch liegen und dabei auch gleich noch ihre Menschlichkeit aufgegeben haben.

Til Schweiger gehört zu denen, die früh klare Kante gezeigt haben – viel Häme musste er seitdem über sich ergehen lassen. Aber immerhin macht er den Mund auf! Unter dazu passendem Hashtag #mundaufmachen haben auch die ProSieben Entertainer Joko und Klaas sich in einem Video sehr deutlich geäußert.

Bleibt zu hoffen, dass einige sich diese und andere Statements doch zu Herzen nehmen.

Anpacken und helfen

Und dann gibt es noch die eigentlich wichtige Aufgabe, die jetzt ansteht: Hunderttausende Menschen kommen allein in diesem Jahr nach Deutschland – viel mehr als mit den bisher bestehenden Mitteln gut aufgenommen und integriert werden können. Und hier gibt es auch endlich den Hoffnungsschimmer und den Beweis, dass die Mehrheit der Deutschen zum Glück das Herz doch am richtigen Fleck hat.

Gefragt sind in dieser Situation echte Selbststarter! Menschen, die sich nicht weiter mit der Debatte über das Thema aufhalten, sondern einfach anpacken. Menschen, die sehen, dass Hilfe nötig ist und die sofort überlegen, wie sie mit ihren Fähigkeiten und ihren Möglichkeiten am besten helfen können.

Da ist zum Beispiel das Projekt workeer.de der Designstudenten David und Philipp aus Berlin. Als Abschlussarbeit ihres Bachelor-Studiums haben sie die Ausbildungs- und Arbeitsplatzbörse für Flüchtlinge ins Netz gestellt. Derzeit sind schon über 400 Arbeitgeber und mehr als 500 Jobs auf der Plattform zu finden.

Da gibt es die Welcome App, von Dresdener Programmierern entwickelt: Flüchtlinge erhalten darüber wichtige Informationen (z.B. zu Behördengängen und medizinischer Versorgung) und können sich orientieren.

Oder auch die tolle Initiative diverser Freifunkgruppen, die Flüchtlingsunterkünfte mit kostenlosem W-Lan versorgen.

Viele weitere schöne, große und kleine Beispiele der Hilfs- und Spendenbereitschaft lassen sich finden:

  • Drei pensionierte Lehrer, die ein Deutschbuch für Flüchtlinge entwickelt haben
  • Die Feuerwehr im österreichischen Feldkirchen an der Donau, die Flüchtlingskindern an einem heißen Sommertag mit Wasserspielen eine Freude gemacht hat
  • Engagierte Hamburger, die einigen Flüchtlingen spontan einen tollen Ausflugstag beschert haben

Diese Liste ließe sich lange weiterführen und das gibt mir Trost und Hoffnung: Die Berichterstattung mögen die selbsternannten Patrioten, die Hasserfüllten und Ewiggestrigen dominieren – den Alltag und das Leben der Flüchtlinge berühren sie damit hoffentlich nicht.

Dafür müssen wir sorgen.

 

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Bildnachweis: thomas koch / shutterstock.com

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