Ich, der Scanner und Solopreneur – oder: Der lange Weg der Selbsterkenntnis

selbsterkenntnis

Mit dem Schreiben eines Blogs zu beginnen ist immer auch eine Reise nach innen für den Blogger. Es geht um Persönliches, um die ganz eigene Perspektive, gemachte Erfahrungen, gesammelte Erkenntnisse. Der allererste Artikel auf aplitsch wirft deshalb einen Blick zurück auf meinen Weg bis hierher: Wie ich meine Identität als Scanner-Persönlichkeit und Solopreneur entdeckt habe. Und wie daraus die Idee zu diesem Blog entstand.

Mir ist es schon immer schwer gefallen, mich auf wenige Dinge zu fokussieren – ich will alles ausprobieren, überall mitmachen, mich niemals festlegen.

Zu Schulzeiten habe ich in einer Heavy Metal Band Gitarre gespielt, aber in der Disco zu Techno und House getanzt. Ich habe Die Ärzte gehört, aber als DJ auf Hochzeiten das Beste aus den 80ern aufgelegt. Ich habe Handball gespielt, war als Sanitäter im Einsatz, habe für die Lokalzeitung geschrieben.

Auch die Berufswahl fiel mir nicht leicht: Erst wollte ich Arzt werden, dann Lehrer, dann Anwalt und schließlich Schriftsteller. Studiert habe ich dann Kommunikationswissenschaften, Psychologie und Politik. Parallel absolvierte ich eine journalistische Ausbildung , entschied mich dann aber im Anschluss für eine sprachwissenschaftliche Promotion.

Nebenbei habe ich mich selbstständig gemacht und NUFARI gegründet, als Werbeagentur. Aus der Agentur wurde eine Art Ideenschmiede, in der es seitdem alles gegeben hat, nur kein klares Produktangebot. Markenbildung, Webdesign, Geschäftsmodellentwicklung, Kreativworkshops, Gründercoaching, Innovations-Bustouren, Employer Branding, Karriereevents . . . die Liste unserer Leistungen der vergangenen Jahre ist ziemlich lang.

Nebenbei sind so viele Projekte, so viele Geschäftsideen entstanden, dass ich mich kaum an alle erinnere – darunter Aachens erster Coworking-Space und eine Weiterbildungsplattform rund um Innovation.

Die allermeisten Projekte sind hingegen mitten in der Entstehung wieder eingeschlafen:

  • ein CMS für Parteien und Politiker,
  • ein Portal für kommunale Sauberkeit,
  • ein Cook-it-yourself-Gastronomiekonzept,
  • ein Spielekonzept für Spaß im Büro
  • . . . und so weiter und so fort.

Der springende Punkt nach all diesen Aufzählungen: Ich habe lange gedacht, ich hätte ein Problem!

All die vielen Ideen, die nie zu Ende gedacht wurden. Alle diese Sprünge, dieser Wankelmut, dieser fehlende Fokus auf ein Thema. Ich dachte, das sei meine größte Schwäche. Zu viele Eisen im Feuer, keine Konzentration und damit fehlende Exzellenz in einer bestimmten Sache.

Es scheint in unserer Gesellschaft allgemein akzeptiert zu sein, dass man sich festlegen muss, Experte in genau einem Thema sein muss, um erfolgreich zu sein.

Und es brauchte ein Buch, damit ich einsehen konnte, dass das kompletter Unsinn ist. Schon der Klappentext von Barbara Shers Buch „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“* reichte und ich wusste: Ich bin eine Scanner-Persönlichkeit.

Am Ende der zweiseitigen Einleitung bekam ich eine Gänsehaut und dachte: Woher kennt diese Frau mich so gut und – hat sie dieses Buch wirklich nicht für mich persönlich geschrieben?

Ich werde demnächst mal eine Buchbesprechung hier veröffentlichen – aber vielleicht so viel als Zusammenfassung: Barbara Sher stellt mit den Scannern einen Typus Mensch vor, den man positiv als Multitalent bezeichnen könnte. Zugleich weist sie darauf hin, dass viele der damit verbundenen Eigenschaften aber als negativ wahrgenommen werden – und zwar von der Gesellschaft, aber auch von Scannern selbst.

Erkennt der Scanner jedoch seine besondere Fähigkeit, Neues schneller als andere zu erfassen und zu verarbeiten, kann er sie zu seiner größten Stärke machen.

In der Folge habe ich verstanden, dass ich in den vergangenen Jahren viele ungünstige Entscheidungen getroffen habe. Immer in der Überzeugung, mich auf eine Sache konzentrieren zu müssen. Dabei fiel die Wahl immer wieder auf NUFARI, meine Rolle als Unternehmer, mit einem wachsenden Kundenstamm und einem wachsenden Team.

Immer wieder unternahm ich Anläufe, um das Dienstleistungsportfolio der Agentur möglichst zu fokussieren und zu schärfen, um die Firma ausbauen und skalieren zu können.

Dabei lag die Wahrheit direkt vor meinen Augen, ich habe nur nicht hingeschaut.

Als Scanner wollte und will ich diesen Fokus auf ein Unternehmen, auf einen Zweck, auf ein Produkt einfach nicht. Ich will alle denkbaren Freiheiten, um meine ganz eigene persönliche Exzellenz zu erreichen – in Gestalt vieler, immer wieder neuer Ideen, die ich entwickle und umsetze.

Heute ist NUFARI deshalb ganz anders aufgestellt – mit einem minimalen Kernteam und einer weitgehend flexiblen Struktur. Arbeiten im Coworkingspace und Homeoffice, flexible Arbeitszeiten, kaum Festangestellte.

Und daneben habe ich nun Zeit gewonnen, um weitere Projekte und Ideen anzugehen, um mich frei und unabhängig zu entfalten.

Vom Startup-Jünger zum Solopreneur

Bei der Suche nach neuen Ideen begann ziemlich bald ein weiteres meiner fest installierten Glaubensmuster zu wackeln: Die Überzeugung, jede Top-Idee brauche ein Top-Team.

In der heutigen Startup-Welt wird ja oft sogar der Satz kolportiert, das Team sei wichtiger als die Idee. Ein Spitzen-Team könne durchaus auch eine durchschnittliche Idee zum Erfolg bringen – ein durchschnittliches Team gehe mit einer Spitzen-Idee hingegen unter. Mag durchaus etwas dran sein. Aber woher kommt dieses Dogma des Teams?

Ich jedenfalls stieß auf immer mehr erfolgreiche Menschen, die ganz bewusst auf ihre Kraft als Einzelunternehmer setzen. Damit meine ich nicht klassische Freiberufler, sondern Unternehmer, die durch ein cleveres Geschäftsmodell und die Automatisierung vieler Prozesse (ich spreche von Smart Business Design) ohne Angestellte auskommen und damit großen Erfolg haben.

Neben dem finanziellen Erfolg profitieren sie vor allem von extrem großen Freiräumen und der Abkopplung ihrer Arbeit von Zeit und Raum – und dem damit verbundenen passiven Einkommen.

Dieses Lebens- und Arbeitsmodell faszinierte mich und ich begann, darüber zu lesen und mich damit tiefergehend zu beschäftigen.

Nachdem mich die 4-Stunden-Woche* von Tim Ferriss noch stutzen ließ, wie realistisch das Ganze wohl sei, überzeugte mich der deutlich bodenständigere Ansatz des deutschen Ehepaares Brigitte und Ehrenfried Conta Gromberg. Sie zeigen in ihren Büchern auf, wie man durch intelligente Konzepte sehr wohl alleine ein erfolgreiches Geschäftsmodell umsetzen kann.

Und mit der Bezeichnung Solopreneur* haben sie für diesen Unternehmertypus auch noch einen hervorragenden Namen aus der englischen Literatur importiert, den ich für meine Arbeit direkt aufgegriffen habe.

Und so ist auch die Idee zu diesem Blog entstanden: Hier möchte ich meine eigenen Erfahrungen und Erkenntnisse rund um den Typus des kreativen Machers dokumentieren und für alle Selbststarter, Scanner und Solopreneure ein stetig wachsendes Arsenal für Mindset & Methodik aufbauen.

Damit jeder sein Wunschbusiness und sein Wunschleben führen kann – kreativ, unabhängig, frei und erfolgreich.

Hinweis zur Literatur

Übrigens findest du alle in diesem Beitrag und an anderen Stellen im Blog erwähnten Bücher auch in meiner Bibliothek.

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Ein Kommentar, sei der nächste!

  1. Wenn man dies auf Geschäftsmodelle bezieht, so gibt es wohl zwei Lager – die „Einzweck-Organisationen“, die aufgrund ihrer spezifischen Kompetenz Erfolg haben, sowie die eher „ergebnisoffenen“ Organisationen, die ihren Mitarbeitern „Zeit und Raum“ zur – auch persönlichen Weiterentwicklung geben, wie bspw. 3M…
    Im besten Sinne des „survival of the most responsive to change“ hoffe ich nur, die überlebenden Unternehmen sind keine Kakerlaken… so don’t just claim not to be evil… and stay focussed or… not at all?

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