Smart Business Design: Gründen auf die smarte Tour

Lifestyle Business

Erzählt man, dass man ein Unternehmen gründet, bekommt man sehr unterschiedliche Reaktionen – die Skala reicht von Bewunderung bis Mitleid. Seltsamerweise scheint Letzteres zuzunehmen.

„Oh je, du arbeitest wahrscheinlich selbst und ständig, oder?“, fragen die Einen. Sie verstehen unter einem Gründer den klassischen Selbstständigen, der sich mit seiner Profession als Berater oder Dienstleister anbietet und seinen Kunden seine Zeit gegen ein Honorar anbietet.

„Und, wer hat bei euch investiert?“, fragen die Anderen. Sie stellen sich Gründer im Sinne eines Startups vor, das eine App baut, dank Venture-Kapital ein paar Millionen ins Marketing steckt und dann hofft, für eine halbe Milliarde an Google oder Apple oder Facebook zu verkaufen.

Das sind zwar sehr stereotype Sichtweisen – trotzdem beschreiben sie ganz gut die Schwächen der beiden Gründertypen:

Der klassische Selbstständige gerät tatsächlich oft in die Situation, dass er zwar auf dem Papier sein eigener Chef, in der Realität aber sehr abhängig von einzelnen Kunden ist. Er richtet sich nach deren Wünschen und Zeitplänen und muss sehr viel arbeiten, um bei einem angemessenen Einkommen zu landen. Schnell befindet er sich in einem ähnlichen Hamsterrad wie viele Festangestellte – und die erhoffte Freiheit des Selbstständigen bleibt aus.

Um Startups gibt es einen regelrechten Hype in letzter Zeit. Und das ist auch toll, wenn dadurch starke Teams mit starken Ideen eine Chance bekommen. Doch es gibt eine Schattenseite: Viele Gründer gehen große Risiken ein, verschulden sich, arbeiten Tag und Nacht – und das alles für die vage Hoffnung auf den ganz großen Exit: Auf einen Schlag reich! Doch dieser kurzfristige Fokus auf den Gewinn gefährdet viele Prinzipien eines nachhaltigen, ökonomisch und ökologisch verantwortungsvollen Unternehmertums.

Also doch lieber im vermeintlich sicheren Schoß der Festanstellung ausharren? Auf keinen Fall! Denn es gibt noch einen dritten, einen spannenden Weg: Das Gründen auf die smarte Tour!

Lebst du für die Arbeit oder arbeitest du für dein Leben?

Dieser Gegensatz lässt sich auflösen durch Smart Business Design, das Entwickeln smarter Geschäftsmodelle. In meiner Selbststarter-Pyramide ist dies deshalb die entscheidende Stufe, auf der aus persönlichen Stärken eine passende Geschäftsidee entwickelt und realisiert wird.

Das Motto dabei: Kreiere dein Business so, dass es sich deinem Leben, deinen Wünschen und deinen Zielen anpasst! Nicht anders herum!

Die Digitalisierung und das Internet haben Möglichkeiten mit sich gebracht, Unternehmen auf eine völlig neue Art zu denken und aufzubauen: Schlanker, automatisierter, mit weniger Personal, geringeren Kosten und weniger Strukturen.

Auf den Punkt gebracht hat diese Chance Tim Ferriss in seinem Bestseller Die 4-Stunden-Woche*. Darin zeigt er auf, wie sich im Internet ein Business so weit automatisieren und trotzdem skalieren lässt, dass es dem Gründer ein freies Leben mit sehr wenig Arbeit beschert, frei von Zeit und Raum.

Trotz aller typisch amerikanischer „Hurra“- und „Tschaka, du kannst das auch schaffen“-Mentalität, bleibt eines dabei hängen: Du kannst das auch schaffen!

Das haben mittlerweile auch in Deutschland zahlreiche smarte Entrepreneure unter Beweis gestellt, nicht zuletzt smarte Blogger, die ihrer Zielgruppe auf dem Blog einen kostenlosen Mehrwert bieten und daran anknüpfende Produkte erfolgreich verkaufen.

Was heißt denn jetzt hier „smart“?

Es ist Zeit für eine Definition. Unter einem Smart Business verstehe ich ein Unternehmen, das folgende Punkte erfüllt:

Der Unternehmer stellt sich vorne an.

Ein smarter Entrepreneur baut sich sein Business auf, um damit persönliche Ziele zu erreichen, seinen Interessen nachzugehen, seine Talente zu entfalten und sich selbst zu verwirklichen – mit dem Business selbst oder dank des mit dem Business verdienten Geldes. Er passt das Business seinen Bedürfnissen an – anstatt seine Bedürfnisse nach dem Business zu richten.

„Es [das Smart bzw. Lifestyle Business] gibt dir viel Zufriedenheit und die Möglichkeit deine Leidenschaften auszuleben und mit ihnen Geld zu verdienen um täglich die Dinge im Leben zu machen, die dir abseits des Geldverdienens wichtig sind.“ (Conni Biesalski)

Ein starkes WARUM verbindet den Unternehmer und seine Kunden

Ein Smart Business bricht aus der immer weiteren Segmentierung eines Marktes aus (die hundertste Joghurtsorte im Kühlregal, die Rasierklinge mit vier, nein fünf, nein sechs Klingen). Stattdessen wird eine Nische angestrebt, wird eine Zielgruppe gesucht, die ein passendes Problem hat, das mit dem Know-how des Unternehmers gelöst werden kann.

Das Ziel sind Produkte und Services, die Kunden wirklich wollen und wirklich brauchen – mit einem starken Nutzenversprechen und einem klaren Alleinstellungsmerkmal (USP).

„People don’t buy what you do, they buy why you do it.“ (Simon Sinek in seinem sehenswerten TED Talk über inspirierende Marken und Führungspersönlichkeiten)

Es wird keine klassische Organisation aufgebaut

Beim Aufbau meines ersten Unternehmens gehörte es zu meinen Zielen, das Team zu vergrößern. In meiner Vorstellung war es erstrebenswert, viele Mitarbeiter zu haben. Lobenswert, könnte man jetzt sagen – immerhin werden so Arbeitsplätze geschaffen. Mag sein, nur smart ist es deshalb nicht automatisch auch.

Mitarbeiter brauchen Aufmerksamkeit, brauchen Führung, brauchen Hierarchien (auch flache Hierarchien sind doch Hierarchien). Personal ist teuer, dazu ein Büro plus die gesamte Infrastruktur – schon sammeln sich Kosten und Verpflichtungen an, die den Unternehmer seiner Unabhängigkeit berauben.

Der smarte Entrepreneur verzichtet deshalb auf ein Team und eine Organisation nach klassischer Vorstellung. Je weniger Partner und Mitarbeiter nötig sind, desto smarter! Folgende Organisationsformen sind in meinen Augen smart denkbar:

  • Der Solopreneur: Der Unternehmer kümmert sich um alle Belange seines Geschäfts selbst.
  • Das Unternehmerpaar: Ein Paar teilt sich alles im Leben – warum nicht auch das Business?
  • Die Partnerschaft: Es ist smart, so wenige Partner wie möglich ins Boot zu holen – aber natürlich können Partnerschaften auf Augenhöhe auch Vorteile haben und gut funktionieren.
  • Die selbststeuernde Organisation: Es ist schwer, aber nicht unmöglich – ein Unternehmen, das der Inhaber erfolgreich von außen führt, ohne sich in das Tagesgeschäft einzumischen.

Der Unternehmer denkt und handelt schlank

Nicht nur beim Team, sondern beim gesamten Aufbau des Unternehmens, plant der smarte Entrepreneur schlanke Prozesse und Strukturen.

Smarte Geschäftsmodelle sind immer einfach und bleiben auch einfach.

Um die Freiheiten des Unternehmers zu sichern, ist Automatisierung ein zentrales Mittel. Gerade bei Internettechnologien lassen sich zahlreiche Prozesse automatisieren und outsourcen. Anstatt Systeme, Strukturen und Prozesse selbst zu bauen, zu programmieren und zu bedienen kann man konsequent auf bestehende Komponenten setzen.

Nicht das Erschaffen neuer Komponenten, sondern das intelligente Verknüpfen und neue Zusammenstellen von Komponenten kreiert oft den neuen Nutzen bei smarten Geschäftsmodellen.

„Smart zu sein bedeutet, bestehende Prozesse so zu gestalten, dass eine neue Win-win-Situation entsteht: Der Kunde hat einen neuen Vorteil – Sie werden unabhängiger.“ (Smart Business Concepts*, S. 77)

Das Geschäftsmodell ist skalierbar.

In diesem Punkt liegt der wichtige Unterschied im Vergleich zu vielen klassischen Selbstständigen, Freelancern und Dienstleistern. Diese haben oft das Problem, dass sie in einem Zeit-gegen-Geld-Modell feststecken und zum Beispiel nach Stunden- oder Tagessatz bezahlt werden.

Der smarte Entrepreneur will aber unabhängig sein von bestimmten Arbeitszeiten und mit möglichst wenig Zeiteinsatz einen attraktiven Ertrag erwirtschaften. Das gelingt nur sehr wenigen Selbstständigen im klassischen Modell.

Erst durch skalierbare Produkte wird dies einfacher.

„Selbstständige werden über Jobs fremdgesteuert, partizipieren nicht an den Produkten der anderen, arbeiten viel und verdienen häufig wenig. Das ist nicht smart. Besser wäre es, einen kontinuierlichen Einkommensstrom über eigene Produkte oder eigene Projekte aufzubauen. Diesen Einkommensstrom zu initiieren und stabil zu bekommen, ist die Herausforderung.“ (Solopreneur*, S. 33)

Der Unternehmer bleibt finanziell unabhängig.

Die finanzielle Unabhängigkeit ist ein sehr wichtiges Kennzeichen smarter Entrepreneure. Fremdes Kapital bringt nicht nur diverse Risiken mit sich – es sorgt auch schlicht dafür, dass der Unternehmer nicht mehr zu 100 Prozent frei ist bei seinen Entscheidungen.

Wie jedes Unternehmen soll und muss auch ein Smart Business Model Gewinn erzielen. Im Gegensatz zu fremdfinanzierten Startups muss diese Gewinnorientierung aber nicht in ein Streben nach dem kurzfristigen, maximalen Gewinn ausarten.

„Gewinne sind notwendig und gut. Ganz anders verhält es sich, wenn die Gewinnorientierung in Gewinnmaximierung umschlägt. Wenn die Nebenbedingung, Gewinne zu machen, zur Hauptsache wird. Wenn die Qualität des Produkts, Arbeitskräfte und Kunden nur noch Variablen sind, die dem Zweck der Gewinnmaximierung dienen […] Man muss nicht Systemtheoretiker sein, um zu erkennen, dass man nicht eine einzige Funktion maximieren kann, ohne an anderer Stelle Schaden anzurichten.“ (Wir sind das Kapital*, S. 78 f.)

 

Wenn diese Punkte erfüllt sind, handelt es sich bei einem Unternehmen nach meiner Auffassung um ein Smart Business.

Smart Business Design ist dementsprechend die Entwicklung eines neuen smarten Geschäftsmodells.

Mehr oder weniger synonym lässt sich statt Smart Business auch von Lifestyle Business sprechen – der Begriff ist auch im Englischen verbreitet. Ich tue mich nur etwas schwer mit dem Begriff, da das Wort Lifestyle schnell falsch verstanden werden kann – so als könnten nur Geschäftsmodelle in Lifestyle-Bereichen wie Mode, Kosmetik, Food etc. hierunter fallen. Dabei ist das Konzept des Smart Business völlig unabhängig von der Branche – genauso lassen sich auch Hightech- und B2B-Modelle smart denken.

Übrigens setzen smarte Unternehmer selten alles auf eine Karte. Gerade weil einzelne smarte Geschäftsmodelle oft klein sind und auch klein bleiben sollen, betreiben sie mehrere davon parallel und verteilen so ihr Risiko auf mehrere Konzepte.

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5 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Alexander,

    danke für diesen interessanten Artikel. Ich arbeite selbst als „klassische Freelancerin“ in Aachen und irgendwie hab ich deinen Namen auch schon ein paar Mal gehört. Wie toll, dass ich jetzt auf deinen Blog gestoßen bin. Danke Facebook.
    Wirklich eine smarter Ansatz, den du da beschreibst und auch mir ist schon etwa länger klar, dass ich mehr in diese Richtung möchte, nur fehlte mir bis jetzt das Wort. Lifestyle Business gefällt mir allerdings wirklich noch ein bisschen besser.
    Ich freue mich auf weitere gute Artikel.

    LG
    Julia

    1. Hallo Julia,

      freut mich, dass dir der Artikel gefällt – und schön, wenn du weiterhin vorbeischaust. Vielleicht kann ich dich auf dem Weg zu deinem Lifestyle Business noch mit dem einen oder anderen Impuls unterstützen.

      Liebe Grüße und viel Erfolg
      Alex

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