Hast du das Zeug zum Unternehmer?

Test Selbstständigkeit

Wer über den Schritt in die Selbstständigkeit nachdenkt, hadert oft mit seiner Idee und noch mehr mit sich selbst: Kann ich das schaffen? Bin ich überhaupt ein Unternehmertyp? Wäre doch schön, eine klare Antwort auf diese Fragen zu bekommen. Eine Möglichkeit: Einen Test machen. Aber taugt das was?

Vielleicht ist es die deutsche Sicherheitsmentalität, die hier durchschlägt: Wir wünschen uns eine klare Bestätigung, ein Zeugnis, eine Urkunde, ein Siegel – irgendwas Hochoffizielles eben. Ein Attest über unsere „Unternehmer-Tauglichkeit“.

Nun gibt es für Selbstständige aber keinen Führerschein, kein Assessmentcenter, keine Eignungsprüfung. Fluch oder Segen: Jeder darf sich versuchen. Das ist ja auch der Charme an der Sache: Endlich keiner mehr, der mir sagt, was ich darf und was nicht.

Aber auch keiner, der mir sagt, ob ich geeignet bin oder nicht.

Ich selbst habe mich gleich nach dem Studium selbstständig gemacht, ohne lang zu fackeln, aber auch ohne besonderes Risiko. Deshalb hat sich mir die Frage nie gestellt: Bin ich eigentlich ein Unternehmertyp?

Aber ein bisschen nachträgliche Bestätigung kann ja gut tun. Also habe ich mich mal auf die Suche gemacht nach Tests für (angehende) Selbstständige.

Zunächst bin ich über das Schlagwort Persönlichkeitstest bei allgemeineren Verfahren gelandet, die sicher mitunter auch etwas über Charaktereigenschaften aussagen, die für Unternehmer hilfreich sind – aber eben nicht speziell für diese gemacht wurden. Über Persönlichkeitstests und die verschiedenen Ansätze schreibe ich deshalb demnächst in einem separaten Beitrag.

Speziell zur Selbstständigkeit findet man deutlich weniger – zumindest wenn man nur Online-Tests sucht, nicht viel Geld bezahlen und keine individuelle Beratung bei einem Gründercoach buchen will.

An dieser Stelle würde ich nun gerne verschiedene Tests und ihre Vor- und Nachteile vorstellen – aber offen gesagt sind nahezu alle Tests, die ich ausprobiert habe, ein ziemlicher Reinfall. Nicht aussagekräftig. Nicht zu gebrauchen. Und noch schlimmer: Manche sind richtig kontraproduktiv.

Ich habe mal ein paar der Tests exemplarisch ausgewählt, um die Bandbreite im Netz aufzuzeigen. Kategorisieren könnte man sie so:

  • Horoskop für Gründer
  • Abschreckungskampagne
  • Ein kleiner Lichtblick

Horoskop für Gründer: Wenn der Redaktionspraktikant sich Testfragen aus der Nase zieht

Auf zahlreichen Nachrichtenportalen, von Focus bis Brigitte, finden sich Artikel über die Eigenschaften von Unternehmern. Dazu gehören oft kleine Tests, die einem nach wenigen Fragen, aus denen man mal mehr, mal weniger Bezug zum Unternehmerdasein erkennen kann, sagen, ob man es denn nun hat oder nicht, dieses „Gründergen“.

Das erinnert tatsächlich stark an Horoskope aus Frauenzeitschriften oder der Apotheken-Umschau. Ein schönes Beispiel ist der Fragebogen in der Erdbeerlounge, wo es selbstredend neben Liebes- und Treuetests auch einen Gründertest geben muss.

Das Erfolgsrezept: Sag mir, wie dein Schreibtisch aussieht, ob du eine Hausratversicherung hast und ob deine Kollegen dich für eine Tratschtante halten, und ich sage dir, ob du dich selbstständig machen solltest. Prima!

Thematisch deutlich passender klingt die Website wie-werde-ich-unternehmer.de – statt dem dortigen Test hätte ich meine Zeit aber doch lieber mit meinem Horoskop verbringen sollen.

Zu 17 Aussagen gibt man hier seine Einschätzung ab (Ja, Nein, Teilweise) – darunter so sinnige Aussagen wie „Unternehmer müssen lügen“ (die meisten Punkte gibt es für Teilweise), „Es macht mir immer Spaß, neue Leute kennenzulernen“ (die meisten Punkte gibt es für Teilweise) oder „Wenn ich von etwas überzeugt bin, gerate ich in Euphorie“ (und, ja, auch hier gibt es für Teilweise die meisten Punkte).

Bist du ein gelegentlich euphorisierter Lügner mit mittelmäßiger Sozialkompetenz? Glückwunsch, du bist der geborene Unternehmer!

Fällt man irgendwie aus diesem brillant entworfenen Musterbild eines Selbstständigen heraus und erreicht eine zu niedrige Punktzahl, wird man in der Auswertung wie folgt aufgebaut und ermutigt:

„Lupenreiner Angestellter. […] Ihnen fehlt alles, was ein Unternehmer braucht. […] Hoffentlich kommen Sie niemals in den Zwang, sich selbständig machen zu müssen. […] Es sei denn: Sie leiden unter Minderwertigkeitskomplexen und haben daher eine so geringe Punktezahl. Aber auch das alleine ist schon ein K.O.-Kriterium.“

Prima, danke, nächster Test!

Abschreckungskampagne: Deutschland, kein Gründerland

Jetzt zu einem Test, der mich ehrlich gesagt richtig ärgert. In Deutschland wird in jüngster Zeit viel über Gründerkultur, Startups etc. gesprochen – dabei steht immer wieder auch die Politik bzw. die Regierung in der Kritik: Zu wenig werde für Gründer getan, zu wenig gefördert, bürokratische Hürden nicht abgebaut etc.

Das Bundesministerium für Wirtschaft hält dagegen – zum Beispiel mit seinem E-Training für Existenzgründer. Darin enthalten: Ein Test mit der Überschrift „Sind Sie ein Unternehmertyp?“

Die Auswahl der Fragen jedoch kann nur als Warnung verstanden werden, bloß nicht zu gründen. So lauten Fragen zum Beispiel:

  • Glauben Sie, dass Sie als Selbständige/r noch ruhig schlafen können, wenn Sie an die möglichen Unsicherheiten einer unternehmerischen Existenz denken?
  • Sind Sie bereit, zumindest in den ersten Jahren 60 und mehr Stunden pro Woche zu arbeiten?
  • Wollen Sie riskieren, in dieser Zeit kein regelmäßiges und stabiles Einkommen zu erzielen?

Entschuldigung, aber ist das wirklich das Bild, das wir in diesem Land vom Unternehmertum zeichnen wollen?

Ich will ja nicht alles romantisieren, was mit der Selbstständigkeit zu tun hat, aber wo sind hier die positiven Bilder?

Warum lauten die Fragen denn nicht zum Beispiel so:

  • Denken Sie, dass Sie als Selbstständige/r endlich ruhig schlafen können, weil Ihr Chef Ihnen nicht mehr im Nacken sitzt und Sie morgens ausschlafen können?
  • Sind Sie bereit, sich Ihre Arbeitszeiten völlig frei und selbstbestimmt auszusuchen?
  • Wollen Sie die Chance haben, für Ihr eigenes Vermögen zu arbeiten anstatt für Vorstand und Aktionäre? Wünschen Sie sich die Möglichkeit, Ihr Einkommen von Zeit und Raum abzukoppeln?

Abgesehen von der negativen Grundbotschaft ist der Test des BMWi extrem kurz und oberflächlich, zudem werden nur äußere Faktoren wie Geld, Zeit und Know-how abgefragt – intrinsische Aspekte zur Motivation fehlen komplett. Die Auswertung kommt dann auch sehr dünn daher – z.B. mit dem einfachen Satz: „Überlegen Sie lieber noch mal!“

Etwas ausführlicher und aussagekräftiger bei der Bewertung – ansonsten aber ähnlich oberflächlich wie der Test des BMWi, ist der Existenzgründercheck des Portals fuer-gruender.de. Der Test basiert auf Excel – leider bleibt ein ähnlich negativer Grundeindruck des Unternehmertums beim Leser hängen.

Das Fazit hier: Kann man mal machen – aber kein überzeugter Gründer sollte sich jemals von diesen Punkten abschrecken lassen.

Ein kleiner Lichtblick: Unternehmerische Talente im Fokus

Jetzt hast du es geschafft und hast dich bis zu meiner einzigen Empfehlung unter den ausprobierten Tests vorgekämpft: das Entrepreneurial Profile 10, ein Bestandteil des Gallup StrengthsFinders.

Schade, dass ausgerechnet der einzige Test, der mir interessante Einsichten beschert hat, derjenige ist, für man ein paar Euro in die Hand nehmen muss, nämlich 12 Dollar.

Basierend auf den seit vielen Jahren etablierten Talent- und Stärkenanalysen des Gallup Instituts wurde das noch relativ junge Entrepreneurial Profile entwickelt. Es unterscheidet zehn zentrale Eigenschaften, durch die sich besonders erfolgreiche Unternehmer auszeichnen.

Genauere Hintergründe zur Forschung und zur Validität der Methoden erfährt man leider nicht.

Die zehn Talente lauten: Promoter, Wissensdurst, Entschlossenheit, Risikobereitschaft, Unabhängiges Team, Geschäftsfokus, Selbstvertrauen, Delegierer, Kreatives Denken und Beziehungsaufbau.

In der Auswertung des Tests erfährt man, wie stark welches der Talente bei einem selbst ausgeprägt ist und bekommt ein paar Anhaltspunkte, wie man es einsetzen bzw. stärken kann.

Das Ganze geht nicht besonders tief – im Vergleich zu allen anderen Tests fand ich es aber doch erhellend. Es zeigt einem kompakt ein paar spezifische Stärken und Schwächen als Unternehmer auf und regt zum Weiterdenken und Handeln an.

Insofern ist dies der einzige Test von den hier vorgestellten, der sich in meinen Augen lohnt – wenn man denn bereit ist, die 12 Dollar auzugeben. Nötig ist das sicher nicht, denn alles in allem bleibe ich auch nach dieser Recherche überzeugt, dass kein Test der Welt darüber entscheiden sollte, ob du dich selbstständig machst oder nicht.

Mein Fazit zu den Unternehmertests

Es gibt viele kurze Checklisten, Fragebögen und Kompakttests zu dieser Frage im Netz – doch eigentlich lohnt sich fast nichts davon. Ich kann gut nachvollziehen, dass sich viele Menschen vor dem Schritt in die Selbstständigkeit absichern und vergewissern wollen, dass sie dafür auch geeignet sind. Aber dafür gibt es in meinen Augen bessere Möglichkeiten:

  1. Führe Gespräche im privaten und beruflichen Umfeld: Sprich mit Familie, Freunden und Kollegen über deine Pläne und bitte sie um eine Einschätzung. Sie kennen dich gut, wissen um deine Stärken und Schwächen und können dir eine große Hilfe sein.
  2. Suche dir einen professionellen Sparringpartner, einen Gründerberater, einen Coach. Wenn du Glück hast, wird dir jemand empfohlen – ansonsten findest du sicher über die IHK oder andere Institutionen in deiner Nähe passende Ansprechpartner.
  3. Das Wichtigste: Höre auf dein Bauchgefühl! Hast du Lust auf das Abenteuer Selbstständigkeit? Sehnst du dich danach, deine Idee umzusetzen? Willst du endlich selbst mal das Steuer in die Hand nehmen? Wenn du die Risiken und die Chancen nebeneinander stellst und dich dabei nicht das kalte Grauen packt – trau dich und probiere es aus! Es lohnt sich!

Bestätigung für meine Abneigung gegen die Tests habe ich auch bei Prof. Faltin gefunden, der in seinem Bestseller Kopf schlägt Kapital* zu der Schlussfolgerung kommt, man werde nicht als Entrepreneur geboren. Die Vermutung sei zwar nicht unbegründet, dass sich Charaktereigenschaften wie Durchsetzungskraft und Führungsstärke bei Gründern herausbildeten – dennoch gebe es keinerlei empirische Befunde, dass bestimmte Eigenschaften als Grundlage unternehmerischen Erfolgs zu betrachten seien.

Man kann es nicht oft genug betonen: Es gibt keine vorgegebenen Charaktereigenschaften eines Gründers, die Vorhersagen für seinen wirtschaftlichen Erfolg zulassen. […] Dieser Sachverhalt lässt die Schlussfolgerung zu, dass weit mehr Personen als Gründer infrage kommen, als man gemeinhin glaubt. Es bedeutet, dass wir das Netz viel weiter werfen können, wenn es darum geht, eine breitere und offenere Kultur des Unternehmerischen zu denken. (Faltin 2012, S, 183)

Kennt ihr weitere Tests und Unternehmerchecks? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? Ich freue mich auf eure Kommentare!

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4 Kommentare, sei der nächste!

  1. Wir können sicherlich nicht vernünftig etwas diskutieren, worüber wir – einerseits als Gründer, aber insbesondere als „Entwickler“ von Tests – nichts wissen… aber wir müssen zumindest in der Lage sein, Fragen zu formulieren, auch wenn wir die Antworten – zunächst – nicht selbst kennen… und es ist und bleibt immer die eigene Entscheidung, wie man die Dinge sehen will… und man entscheidet damit grundsätzlich selbst, was man glauben will oder nicht… und die Vernunft konnte noch nie ihre eigene Entwicklung voraussehen… die Erfolgreichen hatten, und die zukünftig Erfolgreichen haben auch heute nichts zu verlieren… und wenn doch – vertraut einfach den Tests und schreibt fleißig Bewerbungen, anstatt respektlos Wagnisse zu ungewöhnlichen Versuchen zu unternehmen… ;-))

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